Auch wenn ein Blick aus dem Fenster in die friedliche Schneelandschaft Frankfurts eine andere Geschichte erzählt, so wissen wir doch, dass der Winter eigentlich vorbei ist, nachdem am Mittwoch der meteorologische Frühlingsanfang als fester Termin im Kalender eingetragen war. Aber es gibt natürlich noch wesentlich mehr Anzeichen dafür, dass der Winter ein für allemal vorbei ist. Schon letzten Sonntag, als die Olympischen Spiele in Turin mit einer bombastischen Abschlussveranstaltung beendet wurden, war dies ein Zeichen für das Ende einer ungeliebten Jahreszeit. Denn ab jetzt können wir wieder getrost fernsehen, ohne dass uns der Hacklschorsch mit seinem weizenbierseliges Grinsen ungefragt belästigt oder uns Frau Friesinger ihren Atombusen zeigt, und das alles eigentlich nur, weil wir kurz schauen wollten, ob wir Deutschen immer noch Medaillenweltmeister sind. Apropos Weltmeister. Der bislang meistens gut gelaunte Herr Klinsmann wollte uns diese Woche ja eigentlich zeigen, dass seine zukünftigen Weltmeister durchaus in der Lage sind, einen sogenannten „Großen“ Fussballgegner zu besiegen. Abgesehen davon, dass es ja, wenn es keine „Kleinen“ mehr gibt, wie ja immer wieder gerne betont wird, wir doch alle gleich groß sein sollten, hat es auch mit dem Weltmeistertest nicht so ganz geklappt. Unsere mutmaßlichen Stars von morgen, einige noch so jung, dass sie wahrscheinlich noch nie Rasierschaum gekauft haben, und mit anderen Sorgen bepackt, da sie in ihren Vereinen entweder auf der Bank sitzen oder verzweifelt um den Abstieg kämpfen, schienen überfordert. Und tatsächlich. Die Häme der Presse liess nicht lange auf sich warten, rote Flaschen wurden sie von einer lauten deutschen Zeitung betitelt, und die jungen Männer können einem leidtun. Aber zum Glück sind ja stets genug amerikanische Psychologen zur Stelle, die sich unter Klinsmanns Leitung mit neumodischen Methoden um die seelische Fitness der Jungs kümmern. Und zum Glück gibt es ja auch wieder neue Nachrichten, die von Katastrophen wie der Niederlage gegen Italien ablenken. Die Vogelgrippe zum Beispiel ist jetzt in Mannheim gelandet, und wir sind gespannt, was man sich einfallen lässt. Die Bundeswehr ist sicher bald zur Stelle, wird mit Flugzeugträgern am Rhein eintreffen und mit Kanonen auf Spatzen schiessen. Oder auf Schwäne. Und Klinsmann ist in der Zwischenzeit längst wieder unauffällig in sein sonniges Kalifornien geflohen, wo ihn der deutsche Wintereinbruch fast so wenig interessiert wie die Vogelgrippe. Und vielleicht sieht er auch den vergangenen Mittwochabend inzwischen schon etwas entspannter. Denn ein geschwächtes Abwehrsystem ist in der kalten Jahreszeit ja eigentlich auch ganz normal.
Saturday, March 04, 2006
Thursday, January 26, 2006
Gestern wünschte mir ein Bekannter ein frohes neues Jahr. Nette Geste, dachte ich, aber so neu ist es nun auch nicht mehr. Aber manchmal dauert es etwas länger, sich an etwas Neues zu gewöhnen. Dabei denke ich an die neuen Bundesländer oder die neue Regierung. Die ist inzwischen auch nicht mehr ganz neu, und trotzdem habe ich noch Probleme damit, mir die neuen Namen einzuprägen und zuzuordnen. Relativ leicht macht es uns die neue Familienministerin Frau von der Leyen, die nur ungern eine Quiz- oder Talkshow auslässt und uns mit ihrem eingemeißelten Lächeln und ihrer Omnipräsenz in TV und Illustrierten nervt. Gerne präsentiert sie sich mit ihrer Schar von Kindern, die sie wie einen Schwarm Kaulquappen um sich schart und damit demonstriert, wie schön es ist, eine große Familie zu haben. Ob dies allein ausreicht, uns von ihren Ideen, wie die, alle Kinderkrippenkosten abzuschaffen ausreicht, darüber kann man streiten. Dann ist da aber auch noch ein neuer Verteidigungsminister. Damit wir uns endlich seinen Namen merken können, versucht auch er neuerdings, mit allen Mitteln Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Heute morgen musste ich nach den Sieben Uhr- auch gleich noch die Sieben Uhr Dreissig-Nachrichten hören, um mich zu vergewissern, dass ich seine Idee, die Bundeswehr endlich mit Atomwaffen zu bewaffnen, richtig verstanden habe. Nun, der Mann hat ja auch starke Konkurrenz im Kabinett, und mit einer medienwirksamen Familienministerin kann er sich nicht messen. Gibt es eigentlich auch noch einen Arbeitsminister? Ich erinnere mich an einen Herrn, der es geschafft hatte, sich mithilfe seiner gleichnamigen Riesterrente einen Platz in unseren Gedächtnissen zu reservieren, aber hat er eigentlich einen Nachfolger? Das müsste ich vielleicht mal recherchieren. Ich schäme mich ob meiner Unwissenheit und nehme mir vor, mich in einer langen Google-Sitzung zu informieren. Wozu hat man schließlich eine Flatrate? Leider stolpere ich dabei immer wieder über unnützes Wissen, und so lerne ich bei meiner Suche nach dem Kabinett zum Beispiel, dass Weine, die das Prädikat Kabinett tragen dürfen, einen Mindestalkoholgehalt von 9 Promille aufweisen müssen. Und schon sind die Minister vergessen, ich gönne mir ein Glas Wein und werde mich auch weiterhin schwertun, mich mit Neuem anzufreunden, sei es ein Jahr, ein paar Bundesländer oder eine ganze Regierung.
Monday, January 23, 2006
Ein Thema beherrscht heute die Presse: Ein überraschender Kälteeinbruch in Europa, und das mitten im Januar!!!
Sunday, January 22, 2006
Jetzt waren also doch alle gutgemeinten Rettungsaktionen umsonst. Der Themsenwal ist gestern abend gestorben, und nicht nur London nimmt Anteil an seinem Schicksal. Walschicksale erlangen immer wieder ein hohes Maß an Mitgefühl, man erinnere sich nur an Keiko, der wohl eher unfreiwillig als Willy Hollywoodruhm erlangte, sich später aber nur ungern vor Norwegens Küste auswildern lassen wollte, und dort schließlich an einer Lungenentzündung verendete. Ich erinnere mich noch an das Unverständnis, mit dem man die Aussage eines isländischen Fischers aufnahm, statt der millionenschweren Auswilderungsaktion hätte man aus Keiko besser 60000 Frikadellen herstellen können, die im Sudan etliche Menschen satt gemacht hätten. Aber schließlich handelt es sich hier um einen Wal, und Wale hingen wir uns früher gerne auf leuchtend blauen Postern an unsere Jugendzimmerwände, bevor wir später bei Zweitausendeins dann Schallplatten mit Walgesängen bestellten. Ein Finnwal ist eben sympathischer als zum Beispiel die Rotflügelige Ödlandschrecke, eine Heuschreckenart, die vom Aussterben bedroht ist, und das sogar direkt vor unserer Haustür. Aber zurück zum Themsenwal, der auf der Themse nicht lange genug Aufmerksamkeit erregen konnte, um von der Presse einen niedlichen Namen zu bekommen, genaugenommen zeigte meine Funkuhr von der Entdeckung des Wals auf Höhe des Big Bens bis zu seinem Verenden gerade mal dreissig Stunden an, von denen man die letzten live im Fernsehen verfolgen konnte. Der andere Wal, der nur zwei Tage vorher Berlin besucht hatte, erregte dagegen weniger Aufsehen, schließlich erreichte er die Hauptstadt schon im verendeten Zustand, und sein Leichnam wurde von Greenpeaceaktivisten vor der japanischen Botschaft ausgestellt, um auf den allseits verachteten japanischen Walfang aufmerksam zu machen. Dabei vermuten Experten die Ursachen der schrumpfenden Walpopulationen eher im sogenannten „Beifang“, der Klimaerwärmung, oder zunehmender Desorientierung der Tiere aufgrund militärischer Sonarsysteme. Den Walfang zu verbieten ist also nicht wirklich eine Lösung des Problems. Vielmehr könnte man nach neuen Wegen suchen, um die Bevölkerung auf das Elend der Wale aufmerksam zu machen. Man könnte beispielsweise biologische Produkte aus fairem Walfang vertreiben: sicher kann man nicht nur Frikadellen herstellen, sondern vielleicht auch Rasierschaum aus dem Speichel des Buckelwals oder Sonnencreme aus dem ohnehin für den durschnittlichen Westeuropäer ungenießbaren Walfett. Diese Produkte im Hinblick auf eine politisch korrekte Zielgruppe zu vermarkten, die ihren Bartwuchs sicher lieber mit Ayurveda kontrolliert, könnte allerdings zu einer echten Herausforderung werden.
Thursday, March 18, 2004
Es ist Fruehling!
Und woran merkt man, dass Fruehling ist? Klar, der Hackl-Schorsch verschwindet von den deutschen Fernsehschirmen und auf den Fahhradwegen machen sich bauchfreie Hemdchen tragende jugendliche Inlineskaterinnen breit. Am liebsten fahren sie zu zweit, aber sogar alleine schaffen sie es, die gesamte Breite des Weges in Anspruch zu nehmen. Klingelt man als Fahrradfahrer und versucht damit, die Fahrerin darauf aufmerksam zu machen, dass sie doch bitte etwas an den Rand fahren moegen, riskiert man es, das Maedchen derart zu verschrecken, dass sie kopf ueber Knie vor Schreck auf das Pflaster schlaegt. Die schlanken, aber doch meist steifen und muskelfreien Beinchen wirken wackelig auf den Rollen, daher ist oft der Freund zur Stelle, und Hand in Hand sorgen sie gemeinsam auf hinterhaeltigste Weise dafuer, dass wir Fahrradfahrer keine Chance mehr haben auf Deutschlands wenigen geteerten Radwegen. Dann vielleicht doch lieber wieder Winter und den Hackl-Schorsch im Fernsehen, den kann man wenigstens abschalten oder zumindest den Ton.
Thursday, February 12, 2004
Sapere aude!
Heute ist Immanuel Kants 200. Todestag! Zu diesem Anlass wurden heute im ARD Morgenmagazin Schüler befragt, ob ihnen der Name Immanuel Kant etwas sagt. Antworten reichten von "hä?", "sacht mir jetzt gar nix", "das klingt wie ein Restaurant" bis zu "ich glaub das ist ein Frisör!".
Mir fällt zu diesem Thema etwas anderes ein. Und an dieser Stelle grüße ich Herrn Schäfer, den besten Deutschlehrer der Welt. Die Pisa-Studie wäre zu seiner Zeit sicher anders ausgegangen....:
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. "Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" ist also der Wahlspruch der Aufklärung.
Sunday, January 11, 2004
Immer wieder Ischia...
Es riecht so gut auf der Insel. Das Meer, das Essen, die Zitronenbäume, ja, sogar die Männer. Also ist es der Geruch, der mich immer wieder dort hinzieht? Die Männer werden es ja wohl kaum sein, oder? Die Insel ist voll von hungrigen Männern, die dazu auch noch jede Menge Zeit haben, diesem Hunger aufs Ausführlichste und Lächerlichste Ausdruck zu verleihen.
Die Gruppe eins umschließt die ältere Generation, der offensichtlich beim Anblick von inselfremden Frauen unter 40 die Spucke aus dem Mundwinkel zu rinnen beginnt. Die Augen treten einen Zentimeter aus ihren Höhlen heraus und die bereits leicht runzligen Hände werden wie magnetisch angezogen von dem jungen Fleisch, das so nah und erreichbar erscheint. Zurückweisungen werden hartnäckig ignoriert und so bildet sich der alternde Gigolo ein, er könne selbstverständlich jede haben, blind für die Realität, aber glücklich in seiner Scheinwelt.
Die Generation ihrer Söhne steht ihren Vätern in nichts nach. Achtzehn Jahre lang lernten sie von ihren Müttern, dass sie die kleinen Könige der Insel (der Welt?) seien, von ihren Vätern lernten sie, dass es draussen in der Welt viele Frauen gibt, und dass diese nur darauf warten, von ihnen eingesammelt zu werden. Den Tag vertreiben sich die Jungs, indem sie die erste Tageshälfte vor dem Spiegel verbringen, liebevoll die Pomade auf ihren hübschen schwarzen Köpfen verstreichen, um dann im Auto für den Rest des Tages cruisen zu gehen. Beliebtestes Opfer: Blonde, wahlweise auch brunette, rothaarige, schwarze, ausländische Touristinnen ohne männliche Begleitung, die sich zu Fuss fortbewegen und dadurch als leichte Beute gelten. Man überholt langsam im Auto. Man betätigt die Hupe. Man dreht noch einmal um, beäugt und ruft eindeutige Ausrufe aus dem Fenster, deren Bedeutung man wohl in jeder Sprache versteht. Einladungen, einzusteigen, eine Inselrundfahrt zu machen, einen Capuccino trinken zu gehen, oder einfach nur einzusteigen, der Rest ergibt sich dann schon (zwinker zwinker). Ein Ignorieren von diesen Einladungen hat manchmal verschärftes Heischen um einen Funken Aufmerksamkeit zur Folge. So bekommt die ahnungslose Touristin, die doch zu Hause immer so gerne Eros Ramazzotti hört, schon einmal ein nacktes Gesäß aus dem Beifahrerfenster entgegengestreckt, begleitet mit begeistertem Gejohle der jungen Mitcruisenden.
Die dritte Gruppe der Inselmänner ist die Gruppe, wegen der die deutsche Touristin um die dreissig dennoch immer wieder gerne ihren Urlaub hier verbringt. Die Mittdreissiger – Vierziger, etwas zurückhaltender als ihre jüngeren Kollegen, da sie bereits von ihrer Ehefrau etwas gezügelt wurden, gleichzeitig etwas zurückhaltender als Gruppe eins, da noch nicht ganz so lange verheiratet und noch nicht ganz so verzweifelt. In diesen, oft hübschen und auf den ersten Blick wohlerzogenen Italiener verliebt man sich dann meistens, beginnt vielleicht eine Affäre. Er tut uns ja irgendwie auch leid, denn schliesslich behandelt seine Frau ihn schlecht und will auch keinen Sex mehr, und das, wo er doch so viel Liebe braucht. Er wird sich dann wohl wahrscheinlich auch bald von ihr trennen und statt dessen uns nach Italien holen, später, vielleicht in ein, zwei Jahren, wenn die Kinder etwas alter sind. Und dann werden wir glücklich bis ans Ende unserer Tage unter Zitronenbäumen beim leisen Meeresrauschen zusammenbleiben, oder auch nur, bis die nächste blonde Touristin auftaucht. Die Wahrheit ist: Italien hat die niedrigste Scheidungsrate Europas. Und das liegt wahrscheinlich nicht an der unerschütterlichen Treue italienischer Ehemänner.
Also mache ich es dem alternden Gigolo nach, schließe die Augen vor der Realität und genieße in der Zeit meines Urlaubes alle Aufmerksamkeiten, die ich auf mich ziehe, und nehme alle Komplimente persönlich. Für eine Woche bin ich die schönste Frau der Insel. Obwohl ich ja eigentlich gar nicht ans Meer fahren müsste. Denn schliesslich trage ich das Blau des Meeres in meinen Augen. Sagt Mario.
Tuesday, September 23, 2003
Seit Sonntag hat sich einiges geändert bei uns im Freistaat. Jeden Morgen wird die Fahne gehisst, und wir singen "Bayern, Bayern, über alles". In jedem Büro und jedem Klassenzimmer muss seit gestern ein gerahmtes Bild von King Edmund hängen. Der 28. September (des Königs Geburtstag) wurde zum offiziellen bayerischen Feiertag erklärt. Ab sofort wird in bayerischen Cafes nur noch Weisswurst und Weissbier zum Frühstück serviert. Latte Macchiato ist seit Sonntag verboten. Und wer weiss, vielleicht wird ja Nürnbergs Zeppelinfeld auch bald endlich wieder genutzt. Dort können wir unserem König standesgemäß huldigen. Es lebe die bayerische Monarchie!
Naja. So viel hat sich wohl doch nicht geändert.... bei uns in Bayern.
Wednesday, September 17, 2003
Blockflöten raus!
Schon im August wehten mir in der Nürnberger Nördlichen Altstadt bei fast 40° C liebliche Düfte von Weihnachtsgebäck in die Nase. Bei Schöller und Co. lief die Produktion auf Hochtouren. Jetzt ist September, und wie jedes Jahr um diese Zeit bin ich entsetzt, dass die Lebkuchen und Pfeffernüsse anfangen, sich in den Supermarktregalen zu stapeln. Naja, warum nicht. Wenn man genauer hinsieht, ist es auch nicht, wie zunächst vermutet, das frische Gebäck vom August, nein, es sind die Reste vom letzten Jahr, die schnell vor dem Ablaufdatum noch raus müssen. Also: Blockflöten raus, Kerzen angezündet und guten Appetit!
Thursday, August 28, 2003
Naja, zum Reisemotto wurde dann doch "Ischen auf Island" ausgewählt. Und da es hier schon lange nichts neues mehr gab und vermutlich auch bald nichts dazukommt, weil ich ja dann in den Ferien bin, verweise ich auf den entsprechenden Weblog, der aus Island aktualisiert werden wird, sofern sich ab und an Internetanschluß findet... (siehe "Island" Link rechts). Aber danach bin ich ja wieder da, werde auch vielleicht mal wider den einen oder anderen Gedanken zu Papier bzw. Monitor bringen, sofern keine schlimme Schreibblockade im Wege steht. Also bis dahin Ahoi!
